Die heutigen Naturschätze des Ketelwaldes

Seinen Wert für den Naturschutz verdankt der Ketelwald einer Reihe von Faktoren. Dabei sind selbstverständlich alle Flächen von großer Bedeutung, die heute noch, oder auch wieder, vom Menschen kaum beeinflusst sind und weitgehend der natürlichen Dynamik unterliegen. Aber auch Lebensräume, die der alten Kulturlandschaft angehören und in denen der Einfluss von Mensch und Natur gleichermaßen die Vegetation und Tierwelt prägen, sind von sehr hoher Bedeutung für die Artenvielfalt. Im Einzelnen hängt die ökologische Bedeutung von vielen Faktoren ab, was aber dem gesamten Gebiet zugute kommt, ist die Lage des Ketelwaldes. Allein die Lage verleiht dem Ketelwald eine besondere Bedeutung für den Naturschutz. Mit fast 9.000 ha ist es nicht nur ein recht großes Waldgebiet, es ist auch von weiteren naturkundlich bedeutsamen Gebieten umgeben, mit denen es einen Biotopverbund bildet. Von naher zu ferner Nachbarschaft: Millinger Waard mit den Außendeichsflächen, die Haterschen Moore, Maasdünen und Veluwe und Eifel.


Die Naturnähe des Ketelwaldes

Rund 2.000 Jahre Zivilisationsgeschichte haben im Ketelwald keine “Urnatur” übrig gelassen. Spätestens seit den großen Moorkultivierungen vor rund 100 bis 200 Jahre ist jeder Quadratmeter vom Menschen geformt oder sogar mehrfach völlig verändert. Dies trifft auch im Großen und Ganzen auf den Wald zu, obwohl “Wald” von vielen Menschen mit der Natur schlechthin gleichgesetzt wird. Aber Wald ist nicht gleich Wald. Während im größten Teil des Ketelwaldes das Waldbild völlig von menschlichen Aktivitäten (Wegebau, Anpflanzungen von meist nicht hier heimischen Nadelbäumen, Durchforstungen...) geprägt ist, gibt es einige Waldbestände, die auf Naturverjüngung zurückgehen, deren Artenzusammensetzung offensichtlich kaum vom Menschen beeinflusst ist. Insbesondere im Naturschutzgebiet Geldenberg gibt es Wälder, bei denen sich der Einfluss des Menschen nur waldökologisch geschulten Beobachtern erschließt. In den Naturwaldparzellen “Geldenberg” und “Rehsohl” fehlt dieser Einfluss seit ihrer Ausweisung 1972. Hier kann von sehr naturnahen Waldbeständen gesprochen werden. Weitere alte Buchen- und Eichenwälder und Reste eines Erlenbruches sind ebenfalls als naturnah einzustufen.

Mit Moos bewachsene Bäume am Geldenberg Mit Moos bewachsene Bäume am Geldenberg

Auch einige Flächen in den ehemaligen Moorgebieten Kranenburger Bruch und de Bruuk können als naturnah bezeichnet werden: Schilfgebiete, Erlenbruchwäldchen. Ungedüngtes Grünland (etwa in de Bruuk) und alte Heideflächen werden als bedingt naturnah bezeichnet. Das gros der landwirtschaftlichen und Infrastruktur-Flächen in der Region müssen als naturfern bezeichnet werden. Zu groß ist hier der Einfluss der menschlichen Zivilisation.

Ein Buntspecht trinkt aus einem natürlichen "Becher", einem ausgefaultem Aststummel




 Ein Buntspecht trinkt aus einem natürlichen "Becher",
 einem ausgefaulten Aststummel




Wiederherstellbarkeit von Lebensräumen

Aufgrund ihrer Seltenheit und ihrer Bedeutung für die Biodiversität können die alten Laubwälder, die Feuchtgebiete, Heiden und ungedüngten Grünländer als die wichtigsten Lebensräume des Ketelwald- Gebietes bezeichnet werden. Diese haben zum Teil in früheren Jahrhunderten, zum Teil aber auch erst in den letzten 100 Jahren erheblich an Fläche verloren und selbst die Reste sind oft vom Menschen beeinträchtigt.

Waldsauerklee Waldsauerklee

Naturschutz muß sich um die Verbesserung und Vergrößerung der vorhandenen Reste an natürlichen oder wenigstens halbnatürlichen Lebensräumen kümmern. Hier stellt sich die Frage nach der Wiederherstellbarkeit der Lebensräume. Urwälder und Moore sind nur im Laufe von hunderten, wenn nicht gar tausenden Jahren wiederherstellbar. Allerdings kann man bei geeigneten Renaturierungsmaßnahmen von Mooren schon nach wenigen Jahren Lebensräume schaffen, die immerhin einen Teil der typischen Tier- und Pflanzenwelt der Moore beherbergen können. Auch Wälder, die sich selbst überlassen werden, zeigen schon nach wenigen Jahrzehnten wichtige Elemente eines Urwaldes. Ungedüngte, artenreiche Grasländer brauchen oft Jahrzehnte um sich aus gut gedüngten Grasländern zurückzuentwickeln.

Insbesondere die bedeutenden Pfeifengraswiesen benötigen hierfür rund ein Jahrhundert. Andere Lebensräume wie Heide können in wenigen Jahren aus vorhandenen Resten zu typisch anmutenden großen Beständen entwickelt werden. Seit einigen Jahren droht allen Renaturierungsmaßnahmen auf der Erdoberfläche aber eine Gefahr aus der Luft: der Eintrag von Nährstoffen aus Emissionen von Verkehrs, Industrie, Landwirtschaft und Haushalten. Die Entwicklung der besonders wertvollen nährstoffarmen Lebensräume ist großräumig gefährdet. Alle Maßnahmen der Biotopanlage und –pflege erreichen nur das halbe Ziel, wenn dieses Problem weiter bestehen bleibt.


Vegetation Wälder

Es ist sicher, dass zu der Zeit, in der der Ketelwald seinen Namen erhielt, Naturwälder nicht mehr vorhanden waren. Der Mensch hatte den Wald schon stark verändert. Durch übermäßige Holznutzung und Waldweide ist der Wald degradiert. Eichenniederwälder und Heide ist entstanden. Bis heute werden die meisten Wälder durch die Holznutzung sehr jung gehalten. Die Umtriebszeit beträgt oft unter 120 Jahren. Der Wald besteht aus Altersklassenwäldern aus einer zumeist nicht heimischen Nadelbaumart. Aufgrund der ganzjährigen Benadelung halten diese eine größere Niederschlagsmenge zurück. In einem geschlossenen Kiefernbestand fallen nur unter 400 mm Niederschlag jährlich. Hier entsteht ein trockenes Klima infolge der Baumartenwahl. Häufig sind die waldbaulichen Eingriffe nachteilig für den Wald. Das extremste Beispiel für artenarme Wälder stellen ca. 40-jährige Douglasien-Forste dar. In diesen dunklen Wäldern lebt beinahe nichts.

Moschuskraut Moschuskraut

Natürlich ist der Ketelwald nicht überall in einem so schlechten Zustand. Es gibt auch Bereiche in denen der Wald sehr naturnah ist wie in den Naturwaldparzellen Geldenberg und Rehsohl. Aus botanischer Sicht müssen die naturnahen Wälder des Ketelwaldgebietes als extrem artenarm eingestuft werden. Nur unter dem lichten Schirm von Kiefern oder Lärchen oder in Verlichtungen der Halbschatt- und Schattbaumarten treten einige Arten auf, die aber nicht zu den typischen Laubwaldarten, sondern eher zur Waldrand- oder Schlagflora gehören. Auch auf der niederländischen Seite stehen ansehnliche Laubwaldbestände und lichte Kiefernwälder mit Naturverjüngung. Es gibt im Ketelwald auch Bereiche mit hohem Naturschutzwert obwohl oder gerade weil der Mensch diese stark geprägt hat. Sowohl am St. Jansberg als auch am Duivelsberg finden wir alte Buchenwälder mit etwas weniger spärlichem Unterwuchs. Durch einen Lössanteil im Boden finden wir Wald-Sauerklee, Wald- und Behaarte Hainsimse. Neben den fast das gesamte Gebiet dominierenden Buchenwäldern gibt es auch einige Eichenwaldgesellschaften. Auf den trockensten Sandböden stehen Eichen-Birken-Wälder und auf etwas feuchten Lehmböden am St. Jansberg stehen Eichen-Hainbuchenwälder.

Busch-Windröschen am Duivelsberg Busch-Windröschen am Duivelsberg


Naturwald versus Kulturwald

Es ist sicher, dass zu der Zeit, in der der Ketelwald seinen Namen erhielt, Naturwälder nicht mehr vorhanden waren. Der Mensch hatte den Wald schon stark verändert. Durch übermäßige Holznutzung und Waldweide ist der Wald degradiert. Eichenniederwälder und Heide ist entstanden. Bis heute werden die meisten Wälder durch die Holznutzung sehr jung gehal­ten. Die Umtriebszeit beträgt oft unter 120 Jahren. Der Wald besteht aus Altersklassenwäldern aus einer zumeist nichtheimischen Nadelbaumart. Aufgrund der ganzjährigen Benadelung halten diese eine größere Niederschlagsmenge zurück. Selbst unter in einem geschlossenen Kiefernbestand fallen nur unter 400 mm Niederschlag jährlich. Hier entsteht ein trockenes Klima infolge der Baumartenwahl. Häufig sind die Waldbaulichen Eingriffe nachteilig für den Wald. Das extremste Beispiel für artenarme Wälder stellen ca. 40-jährige Douglasien-Forste dar. In diesen dunklen Wäldern lebt beinahe nichts.

Was geschieht bei natürlicher Waldentwicklung?

Dominanz der Buche

Über die Frage nach der natürlichen Waldentwicklung gehen die Meinungen auseinander. Es zeigt sich deutlich, dass die Buche außer auf nassen Böden zur Dominanz gelangt. Die Beschattung konkurrierender Bäume führt zu deren Absterben, Anhäufung von Laubstreu führt zur Behinderung der Verjüngung. Die großflächige „Verbuchung“ führt zu einheitlichem Waldaufbau.


Die Wirkung von Windwurf und Feuer

Windwurf kann recht große offene Flecken im Wald schaffen, aber es lässt sich absehen, dass diese Fläche schnell wieder zuwächst und dass die Buche dabei schnell wieder eine dominante Stelle einnimmt. Die Rolle von Waldbränden durch Blitzschlag ist unklar. In trockenen und borealen Gebieten sind Waldbrände sehr wichtig. Aber in gemäßigten Klimaten, wie unserem brennen Bäume nicht schnell. Früher wurden Laubbaumreihen und -parzellen als Schutz gegen die Ausbreitung von Waldbränden gepflanzt. Waldbrände spielen in natürlichen Laubwäldern kaum eine Rolle.


Die Wirkung großer Pflanzenfresser

Manche Waldökologen denken, dass große Pflanzenfresser mit ihrem Fraß eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Waldverjüngung spielen, wodurch der Wald in einem Moment der Überalterung zusammenbricht. Auf der entstandenen Freifläche soll sich für eine Zeitlang eine grasige Fläche einstellen, sodass junge Eichen und Haselsträucher erst im Schutz von Dornsträuchern wieder wachsen können. Wenn sich so ein Wald entwickelt, sterben die schützenden Sträucher im zunehmenden Schatten ab und die natürliche Verjüngung kann durch die Pflanzenfresser erneut dezimiert werden. Auf diese Weise entstehen parkartige Landschaften mit einem Mosaik aus offenen und bewaldeten Bereichen wie im New Forest in England. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass Huftiere in unserem Klima die Verjüngung nicht unterdrücken können und dass eventuell offene Stellen im Wald schnell wieder zuwachsen und die Population der Pflanzenfresser aufgrund des entstehenden Nahrungsmangels schnell auf ein niederes Niveau zurückgeht, wodurch ihr Einfluss auf die Umwelt abnimmt. Lediglich Flüsse und Moorentwicklung können das Waldwachstum verhindern. Nach dem Stand der Wissenschaft kann man die langfristige Entwicklung der natürlichen Waldentwicklung nicht absehen. Selbst bei der „Verbuchung”, die fast überall auftritt, wo der Wald sich selbst überlassen ist, kann nicht abgesehen werden ob das eine vorübergehende Entwicklung ist. Es gibt in Europa keine Urwälder, an denen man ein „Endstadium” ablesen kann. Außerdem spielen für die Waldentwicklung außer dem Fraßdruck, Windwurf und Feuer noch weitere Faktoren wie Witterung, Bodenart, Wasser- und Nährstoffhaushalt eine wichtige Rolle.


Andere Laubwaldtypen

Die Vielfalt der zur Stauchmoräne gehörenden Bodenarten und den verschiedenen hydrologischen Bedingungen ließ neben den weithin dominierenden Buchenwäldern weitere Waldtypen entstehen: Eichen-Birkenwälder auf den ärmsten und trockensten Böden auf den Kuppen, Eichen-Hainbuchen- wälder auf feuchten Lössböden, Erlenbruch- und Bachauenwälder auf sehr nassen Böden. So wie es aussieht, können an den nassesten Bereichen des Erlenbruch- und Bachauenwaldes und des feuchtesten Teils des Eichen-Hainbuchen-Waldes keine Buchen wachsen, ansonsten schon. Das bedeutet, dass langfristig gut 95 % des Waldes Buchenwald würde.


Platz für bestehende Laubwaltypen

Durch historische Waldnutzungen wurde die Buche vielerorts verdrängt und eichenreiche Wälder konnten sich in dieser potenziellen Buchenzone ausbreiten. Die Frage ist, wie man mit diesen Waldtypen umgeht. Das gilt für Eichen-Birken-, Eichen-Buchen- und Eichen-Hainbuchen-Wälder. Angesichts der großen Artenvielfalt dieser Waldtypen erscheint es nicht sinnvoll diese vollständig an den Buchenwald abzutreten.


Platz für Nadelwälder

Das bedeutet nicht, dass nichts geschehen soll. Es ist sinnvoll einen großen Teil der Nadelwälder in Laubwälder zu überführen. Das kann über natürliche Verjüngung oder beschleunigt durch selektiven Holzeinschlag geschehen. Nadelwälder nehmen immer noch den größten Teil des Ketelwaldes ein. Das bedeutet nicht, dass alle Nadelbäume verschwinden müssen. Auch sie haben eine kulturhistorische Bedeutung. Kiefernwälder mit dominierender Heidelbeere im Unterwuchs, wie sie in den 30er Jahren verbreitet waren, sind in Folge der Sukzession nahezu verschwunden. Sie bilden ein Sukzessionssstadium nach Heide. In einem Gebiet, in dem Heide und deren Sukzessionsstadien eine Chance bekommen sollen, passen derartige Wälder.

Durch eine ökologisch ausgerichtete Waldwirtschaft in großen Teilen des Waldes können sich alte Laubwälder entwickeln. Auf lehmigen Böden und wo Bäume großen Standraum mit wenig Konkurrenz haben, wie zum Beispiel an Waldrändern, können Bäume einen Stammumfang von bis zu 6 m und eine Höhe von ungefähr 35 erreichen. Auch im Alter von unter hundert Jahren können diese Wälder schon sehr schön sein. Der Wald kann dann schon eine hohe ökologische Bedeutung haben. Es gibt überall im Ketelwald Waldbestände, die zwischen 100 und 200 Jahre, zum Teil sogar noch älter sind. Falls der Holzeinschlag ausbleibt werden diese Bestände immer bedeutender. Das Ergebnis von gut 30 jährigem Schutz der Bestände kann man z. B. am Duivelsberg, St. Jansberg und vor allem am Geldenberg sehen.


Waldränder

An Waldrändern wächst teilweise Waldrandvegetation. Hier wachsen oft Sträucher, zum Teil auch besondere: An der Mooker Heide und am St. Jansberg wachsen stellenweise Holzapfel und Mispel. Das Wald-Geißblatt und Wald-Rebe sind verbreitet. Im Untergrund wachsen oft Efeu und Vielblütige Weißwurz.


Heidegebiete im Ketelwald

Die Heiden unseres Gebietes sind durch jahrhundertelangen Raubbau an der Vegetation entstanden. Beweidung und Abplaggen haben die Böden völlig verarmen lassen. Nur wenige Pflanzenarten können unter diesen Bedingungen leben. Diese bilden aber eine außerordentlich reizvolle Landschaft, die heute eine starke Anziehungskraft auf Menschen ausübt. Zur Besenheide, die im August weite Flächen rosa färbt, gesellen sich auch einige wenige, seltene Pflanzenarten. Die bedeutendste Art ist sicher die Grauheide, die hier die Ostgrenze ihrer Verbreitung erreicht.


Feuchtgebiete im Ketelwald

Im Ketelwald gibt es einige Quellgebiete, insbesondere am St. Jansberg, dem Duivelsberg und oberhalb Nütterden. In den Quellfluren auf der niederländischen Seite wachsen Gegenblättriges und Wechselblättriges Milzkraut, z. T. auch Riesen-Schachtelhalm, Waldsimse, Hain-Gilbweiderich und andere Arten der Bach-Eschenwälder. An den Quellen im Reichswald oberhalb Nütterden wachsen einige feuchteliebenden Seggenarten, aber keine ausgesprochene Quellvegetation. Interessant ist hingegen die Verlandungsvegetation an einigen aufgestauten oder ausgebaggerten Teichen an verschiedenen Stellen im Reichswald. Hier finden sich Sumpf-Quendel, Froschbiss, Wassernabel, Fieberklee und Wasser-Schierling. Am Südrand des Reichswaldes und des St. Jansberges lag früher das Koningsven, ein ausgedehntes Moorgebiet. Es lag in einem früheren Rheinarm direkt am Rand des Reichswaldes. Hierdurch bildeten sich Tümpel und Seen, die reich an seltenen Waserpflanzen waren, z.B. mehrere Wasserschlauch- und Laichkraut-Arten. Daran schloss sich ein Groß­seggenried unter anderem mit der äußerst seltenen Schneide an. Weiter südlich schloss sich eine Zone mit Nieder­ und Hochmooren an, die ihrerseits von artenreichen Pfeifengras-Wiesen umgeben waren. An Stellen, an denen sich das Wasser staut, wie am Fuß des St. Jansberg finden wir noch kleine Reste dieser Vegetation. Hier wächst ein breiter Streifen Erlen-Bruchwald. Neben Sumpf-Segge und Gelber Schwertlilie finden wir hier auch die Raritäten Königsfarn, Kleines Helmkraut, Wunder-Segge und Schneide. Um einen Eindruck dieses Wiesentyps zu bekommen, kann man sie sich im Naturreservat De Bruuk ansehen, wo einer der letzten Reste dieses einstmals so verbreiteten Wiesentyps sehen, der sein Verbreitungszentrum in den Niederlande hatte.


Lehmgruben

An einigen Lehmgruben tritt eiszeitlicher Lehm zu Tage. Der Lehm ist schwach kalkhaltig und der Boden dadurch etwas gepuffert. Dadurch, dass sie in der Vergangenheit kleinflächig offen gehalten wurden, entwickelte sich auf diesem speziellen Untergrund eine besondere Vegetation. Die Lehmgrube am Heselenberg, auch ein Naturreservat, ist die schönste. Hier ist der einzige niederländische Fundort des Deutschen Ginsters. Außerdem wächst hier Wald-Ehrenpreis und Blutwurz. Früher wuchs hier auch Färber-Scharte, Wald-Platterbse und Teufelsabbiss. Am Rand der Lehmgrube und dem angrenzenden, durchgewachsenen Eichen-Niederwald wächst viel Buschwindröschen, Maiglöckchen und Schattenblümchen. In der Lehmgrube bei Het Swaantje wächst neben Buschwindröschen auch viel Große Sternmiere, Schattenblümchen und Vielblütige Weißwurz.

Erlenbruch am Jahnsberg Erlenbruch am Jansberg


Tierwelt Säugetiere

Das größte wildlebende Säugetier des Gebietes ist der Rothirsch. Hiervon lebt im Reichswald eine kleine Population von ca. 80-100 Tieren innerhalb eines Feldschutzzaunes. Im gesamten Ketelwald leben Rehe und Wildschweine, letztere in den Niederlandes allerdings illegal. Außerdem leben im Ketelwald Füchse, Dachse, Kaninchen, Eichhörnchen, Kleinsäuger und Marder. Unter letzteren verdient der Baummarder eine besondere Aufmerksamkeit. Der letzte sichere Nachweis der sehr leicht mit dem Steinmarder verwechselbaren Art liegt allerdings 20 Jahre zurück. Die Fledermäuse sind mit mehreren Arten vertreten. Eine der seltensten Arten ist dabei die Große Bartfledermaus (Myotis brandti).

Wildschweine (Bild:G. Besselink, KINA) Wildschweine (Bild: Besselink, KINA)

Hirsche im Reichswald Hirsche im Reichswald

Hirschrudel Der Rothirsch hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten


Vögel

Im Ketelwald lebt eine recht große Zahl an Vogelarten. Bei den meisten Arten handelt es sich um Arten, die fast überall zu finden sind, wo Gehölze wachsen. In den naturnahen Laubwäldern gibt es jedoch einige Arten die sonst selten sind: Schwarzspecht, Grünspecht, Kleinspecht, Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz, Kernbeißer und selten der Waldbaumläufer. Auffallend ist der Sperber- und Habichtbestand. Nachdem in den 60er-Jahren durch den Gebrauch von Pestiziden der Greifvogelbestand dezimiert wurde und einen Tiefpunkt erreichte (4 Paar Habichte und 1-3 Paare Sperber im Ketelwald) nahm nach dem Verbot von Dieldrin und DDT in den Jahren 1968 und 1973 wieder auf rund 50 Paare je Art zu. Außerdem gibt es eine gute Mäusebussard-Population. Baumfalke und Wespenbussard sind selten. In den Heidegebieten auf der niederländischen Seite brüten noch Ziegenmelker und Heidelerche.

Schwarzspechtmännchen fliegt eine Höhle an Schwarzspechtmännchen fliegt eine Höhle an


Amphibien und Reptilien

In den Tümpeln und Teichen des Reichswaldes leben erstaunlich viele Amphibienarten: Bergmolch, Erdkröte und Grasfrosch sind weit verbreitet. Wasserfrosch, Teichmolch und Fadenmolch sind etwas seltener. Letzterer ist erst seit 1984 im Reichswald bekannt. Er besitzt hier eine ansehnliche Vorposten-Population, deutlich außerhalb seines geschlossenen Areals. Aus dem niederländischen Teil des Ketelwaldes gibt es lediglich historische Meldungen, die alle mit einer Unsicherheit ob der richtigen Bestimmung behaftet sind.

Erdkröte wartet auf ein Weibchen Erdkröte wartet auf Weibchen

Für die Reptilien stellen die Heiden einen wertvollen Lebensraum dar. Hier finden sich Zaun- und Waldeidechsen und am Mulderkop auch Schlingnattern. Die Zauneidechse lebt auch am südlichen Waldrand des Reichswaldes. Weit bis ins Waldesinnere sind nur Waldeidechse und Blindschleiche verbreitet. In Folge einer Ansiedlung im Naturreservat De Bruuk konnte sich eine Population Ringelnattern an den Waldrändern und in Feuchtgebieten etablieren.


Insekten

Die Vielfalt an Insekten ist – wie nicht anders zu erwarten – fast unüberschaubar. Hier seien nur einige bekannte Beispiele herausgegriffen. Libellen: In den Feuchtgebieten und den Teichen des Gebietes leben zahlreiche Libellenarten. Zu erwähnen sind z. B. die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) im Reichwald und Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) im Reichswald und Kranenburger Bruch, Späte Adonislibelle (Koraaljuffer) bei St. Jansberg.


Käfer

Die artenreiche Gruppe der Käfer ist für den Reichswald recht gut untersucht. Im NSG Geldenberg konnten im Jahre 2002 von Frank Köhler 427 Arten nachgewiesen werden, darunter waren einige extrem seltene Arten. Während die Laubwälder extrem arm an Pflanzenarten sind, erweisen sie sich für die Tierwelt somit als höchst artenreich. Allgemein bekannt ist der Hirschkäfer, der gelegentlich am Ostrand des Reichswaldes und selten in anderen Bereichen des Ketelwaldes angetroffen wird. Die Larven dieses großen Käfers leben im zerfallenden Holz von toten Eichenstubben.

Hirschkäfer (Bild: Klaus Kretschmer) Hirschkäfer (Bild: Klaus Kretschmer)